proALPHA AKTUELL 2/2010: Runter mit den Beständen - Disposition optimieren und Bestände aktiv managen
In der heutigen Materialwirtschaft wird der größte Teil von Beschaffungsvorgängen oder Produktionsaufträgen über die automatische Disposition ausgelöst. Daher haben die gewählten Dispositionsverfahren und deren Parameter zentralen Einfluss auf die Bestandshöhe und Lieferbereitschaft. So kann ein falsch gewählter Meldebestand bei derbestandsgesteuerten Disposition zu Fehlmengen oder Überbeständen führen.
Dass hier in vielen Unternehmen Handlungsbedarf besteht, zeigt die jahrelange Projektpraxis: So werden in vielen Einführungsprojekten wichtige Dispositionsparameter wie Melde- oder Sicherheitsbestand ohne erneute Prüfung direkt in proALPHA übernommen. Ebenso gibt es nur in wenigen Unternehmen eine regelmäßige und rollierende Anpassung der Dispositionsverfahren und ihrer Parameter an die geänderten Verbrauchssituationen. Die Erfahrung zeigt ebenso, dass eine regelmäßige und systematische Bestandskontrolle selten stattfindet.
Dispositionsverfahren optimieren
Zur Unterstützung der Disponenten bei Festlegung der dispositiven Parameter hat die proALPHA Consulting ein zwei stufiges Verfahren auf Basis des Analyzers entwickelt. Zunächst wird – auf Grundlage des Verbrauchsverhaltens für die selektierten Teile – ein Dispositionsverfahren vorgeschlagen.
Im zweiten Schritt können dann spezielle Parameter wie der Melde- oder Sicherheitsbestand errechnet werden. Grundlagen für die Ermittlung des Dispositionsverfahrens sind der Wertanteil am Verbrauch des jeweiligen Teils sowie sein Verbrauchsmuster. Mit diesen beiden Dimensionen lassen sich die ausgewählten Teile in einer ABC-/XYZ-Analyse klassifizieren. Zur Ermittlung des Verbrauchsmusters über die Vorhersagegenauigkeit wird der Variationskoeffizient herangezogen. Auf Grundlage der sich ergebenden Einteilung eines Teils in diese Matrix lässt sich anschließend das Dispositionsverfahren zuweisen.
Bei Bedarf werden weitere Entscheidungskriterien wie Wiederbeschaffungszeit, Lieferanten und Teilearten hinzugezogen und so das Auswahlverfahren verfeinert. Erst danach werden Dispositionsparameter wie der Meldebestand über verschiedene parametrisierbare Formeln errechnet. Vor diesem theoretischen Hintergrund durchläuft die Dispositionsoptimierung folgende Schritte:
- Auslesen der relevanten Daten wie Lagerbewegungen, Teilewerte, Lieferanteninformationen und andere aus proALPHA über ein eigenes Exportprogramm.
- Analyse der Daten im Analyzer: In einem vordefinierten Master erfolgen die Berechnungen wie ABC-/XYZKlassifizierung und die Ermittlung des passenden Dispositionsverfahrens.
- Einspielen der Daten in proALPHA: Zum jeweiligen Teil lassen sich die errechneten Werte für das Dispositionsverfahren oder den Meldebestand mit dem proALPHA Migrationsmanager in einem Massenlauf in proALPHA einlesen.
Damit hat der Disponent ein Werk zeug in der Hand, mit dem es möglich ist, die großen Datenmengen, die bei der Anpassung von Dispositionsparametern berücksichtigt werden müssen, zu bewältigen. So kann er die gesamte Disposition an die sich verändernden Rahmenbedingungen jederzeit flexibel anpassen.
Aktives Bestandsmanagement
Weiteres Ziel des Bestandscontrollings ist – neben der Dispositionsoptimierung – die aktive Unterstützung des Bestandsmanagements. Dabei stehen als unterschiedliche Analysebereiche im Mittelpunkt:
- Die Messung der Leistungsfähigkeit der Materialwirtschaft bezogen auf den Gesamtbestand oder auf unterschiedliche Bestandssegmente.
- Das „Auffinden“ bestandskritischer Teile wie Ladenhüter.
Erfahrungen aus Kundenprojekten
Die ersten Kundenprojekte zeigen, dass die neuen Möglichkeiten auf großes Interesse stoßen. Bei einigen Kunden werden damit bisher „organisch gewachsene“ Excel-Lösungen hinfällig, mit denen mehr schlecht als recht die ABC-/XYZ-Klassifizierung durchgeführt wurde. Die Mächtigkeit des Analyzers bei einfacher Bedienung ermöglicht die rollierende Anpassung der Dispositionsparameter.
Zusätzlich ergeben sich wertvolle weitere Verbesserungsvorschläge, die dieses Werkzeug noch leistungsfähiger machen. So soll beispielsweise bei der Berechnung des Sicherheitsbestands die Liefertermintreue aus der Lieferantenbewertung einfließen oder eine Ermittlung der Qualität von Wiederbeschaffungszeiten erfolgen.
Die Bestandsreduzierung ist ein langer Hebel zur Steigerung des Unternehmenserfolgs. Laut einer Untersuchung des Wissenschaftlers Erwin Grochla ist eine Bestandreduzierung von zehn Prozent ebenso wirksam wie die Umsatzsteigerung von 18 Prozent. Viele Möglichkeiten also, Liquiditätsreserven zu erschließen und nutzbar zu machen, ohne den eigenen Produktionsfluss oder gar die Liefertermine zu gefährden. Die notwendigen Werkzeuge sind vorhanden, die erforderlichen Daten in den proALPHA Installationen der Unternehmen ebenfalls. Sie gilt es, zielgerichtet zu nutzen.
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