Berlin, Oktober 2009. Im Februar 2009 startete BMW die Produktion des neuen Roadsters Z4 im Werk Regensburg planmäßig und zuverlässig. Grund: Durch den frühzeitigen „Go-Life“ vieler Versorgungsprozesse unter seriennahen Bedingungen in den Phasen der Vorserie wurde das Anlaufrisiko entlang der gesamten Prozesskette insbesondere bei potenziell kritischen Prozessen weitestgehend minimiert. Trotz des sehr engen Zeitrahmens gelang es, den Serienablauf bereits im Rahmen der Vorserie unter Serienbedingungen zu testen. Die gute Zusammenarbeit zwischen der BMW Group und Miebach Consulting GmbH war dabei ein wichtiger Bestandteil, um die Versorgungsprozesse für den neuen BMW Z4 zu entwickeln und optimal zu gestalten.
Projekthintergrund
Bereits Anfang 2006 – und damit drei Jahre vor der Markteinführung – beauftragte die BMW Group die international tätige Unternehmensberatung Miebach Consulting mit der Planung der Versorgungslogistik für die Produktion des neuen BMW Z4 Roadsters. Die Planungsverantwortung umfasste fast alle wesentlichen Bauteile des neuen Fahrzeugs, von den Lieferanten bis an den jeweiligen Verbauort in der Montagelinie des Produktionswerkes Regensburg.
Das Planungsteam war somit für mehr als 500 Teilefamilien, Module, Systeme, Komponenten und Teile in all ihren Ausführungsvarianten, verantwortlich: Bis zum Produktionsstart des Fahrzeuges sollten die Prozesse zur Versorgung der Produktionslinie sichergestellt werden.
Nach dem erfolgreichen Produktionsstart des BMW Z4 Roadsters Anfang 2009 im BMW Werk Regensburg sowie einer mehrmonatigen erfolgreichen Volllast-Prüfung der implementierten Prozesse lässt sich heute eine positive Projektbilanz ziehen.
Vom Grobkonzept bis zur Implementierung der geplanten Supply Chain Prozesse
Der Auftrag an den Berater lautete, die Verantwortung für einen definierten Umfang der Versorgungsplanung zu übernehmen. Dies umfasste u.a. Konzeptentwicklung, Abstimmung der Planungsergebnisse mit allen beteiligten Prozess- und Schnittstellenpartnern sowie Implementierung der Supply Chain Konzepte, und zwar vom 1st-tier-Lieferanten über den Inbound-Transport und die internen Prozesse im Werk bis hin zum eigentlichen Verbauort der Teile in der Montage. Dabei lag der Schwerpunkt der Planungsaufgabe in der strategischen, konzeptionellen und schließlich detailgenauen Gestaltung von Material- und Informationsflüssen für sämtliche Versorgungsketten. Die Herausforderung ist aus heutiger Sicht insbesondere darin zu sehen, dass die Fahrzeugentwicklung im gleichen Zeitraum synchron abläuft bzw. kontinuierlich voranschreitet. Zu Beginn der Planung waren die Teileumfänge, deren Form und Abmessungen sowie deren Ladungsträger kaum bekannt – mit zunehmendem Projektfortschritt stieg jedoch der Detaillierungs- und Informationsgrad.
Für das vorliegende Projekt vereinbarte die BMW Group mit Miebach Consulting u.a. folgende Kriterien als Maßstab bei der kontinuierlichen Überprüfung und abschließenden Bewertung der Planungsqualität:
- Kostengünstige, investitionsarme und umweltgerechte Versorgungsprozesse auf Basis des Wertschöpfungsorientierten Produktionssystems (WPS) der BMW Group
- Erhöhung der Direktversorgung gegenüber den Prozessen beim Vorgänger-Modell sowie Sequenzversorgung mit Sequenzbildung zum kostenoptimalen Zeitpunkt
- Berücksichtigung der flexiblen Bandbereitstellung.
Aufgrund der hohen Komplexität des Vergabeumfanges und der mit dem Auftrag übertragenen Verantwortung stellte die BMW Group entsprechend hohe Anforderungen an den externen Partner. Alle Teammitglieder mussten über mehrjährige Erfahrung bei der Planung und Umsetzung von internationalen Supply Chain Projekten in der Automobilindustrie verfügen. Neben der fachlichen Kompetenz waren daher auch ausdrücklich verhandlungssicheres Englisch und interkulturelle Kompetenz gefordert.
Projekt-Highlight1: Variierung der Modulverantwortlichkeiten
Bei der Projektstrukturierung wurde die Planungsverantwortung für die insgesamt 29 Fahrzeugmodule im Projektverlauf zugunsten einer Lieferantenzuordnung verändert. Die Philosophie lautete „one face to the supplier“ – also jeder Zulieferfirma wurde ein zentraler Ansprechpartner zugeordnet. Planungsaktivitäten wurden deutlich konzentriert und die Umsetzung mit kleinen, effizient arbeitenden Realisierungsteams erreicht.
Zu einer der ersten Aufgaben des Miebach-Teams gehörte der detailgenaue Aufbau des logistischen Mengengerüstes unter Verwendung der BMW Planungssoftware MILES. Für die Abfrage und den Abgleich von sich kontinuierlich ändernden Entwicklungsständen bei Bauteilen, Sachnummern, Varianten, Verbauraten und Lieferantendaten zwischen Entwicklung, Einkauf und Logistik war in erster Linie der Schnittstellenmanager in jedem Versorgungsplaner gefragt.
Neben der Definition der logistischen Anforderungen an die Lieferanten des BMW Z4 vertraten die Berater gegenüber dem Einkauf die Belange der Logistik bei der Lieferantenauswahl. Großes Augenmerk wurde auch von Anfang an auf die Kosten treibenden Themen „Design for Logistics“ und Variantenmanagement gelegt. Hierdurch wurde gewährleistet, dass alle beteiligten Prozesspartner bei Änderungen eines Bauteils informiert wurden und diese in ihren neuen Planungsstand einfließen lassen konnten. Letztendlich hat dies dazu beigetragen, die Variantenzahl des BMW Z4 gegenüber seinem Vorgängermodell zu limitieren.
Projekt-Highlight 2: Weiterentwicklung von Methoden und Tools
Das Team von Miebach Consulting wurde von der BMW Group von Beginn an eingeladen, spezifische „Methoden und Tools der Versorgungsplanung“ weiter zu entwickeln. So konnten Erfahrungen der täglichen Arbeit über „Lessons Learned“ genannte Termine in neue Standards übersetzt werden. Hier ist insbesondere die Weiterentwicklung der Planungssoftware MILES zu einem neuen Release zu nennen. Deren Reports wurden in Anlehnung an die vorhandenen Kennzahlenauswertungen des Miebach-Teams angepasst,: Heute können in MILES Daten zu Teilefamilie, Modul, Lieferant, Auslieferstandort, Behälter, Materialflussstrategie, Verbauort, Anliefervolumen usw. zentral in einer Auswertung berechnet und dargestellt werden. Die Versorgungsplanung erlebt seitdem eine schnellere, transparentere und flexiblere Datenauswertung.
Projekt-Highlight 3: Der Engpassfaktor „Fläche“
Eine weitere Anforderung war es, die bestehenden Gebäude und Logistikflächen im Werk Regensburg optimal zu nutzen. Dabei gelang es, den BMW Z4 mit aktiver Mitarbeit des Miebach Teams innerhalb kürzester Zeit in die vorhandene Werksstruktur zu integrieren – und dies ohne zusätzliche externe Mietflächen. Der anfänglich identifizierte zusätzlich externe Logistik-Flächenbedarf konnte durch konsequente Anwendung der Lean-Prinzipien nach und nach vollständig vermieden werden. Alle bestehenden Modellreihen des Werkes inklusive des neuen BMW Z4 wurden auf ihre Durchlaufzeit im Werk hin betrachtet und diese - sofern sinnvoll möglich - gesenkt. Die Projektmitarbeiter von Miebach Consulting unterstützten die Entwicklung dieser geänderten Vorgehensweise und setzten die Ergebnisse für die Versorgungskonzepte des BMW Z4 um. Mit der Integration des BMW Z4 in das Werk konnten sich alle werksinternen Schnittstellenpartner zusätzlich – entsprechend der sehr guten Sequenztreue – darauf verständigen, einen um 80% reduzierten kumulierten Rückstand vorzusehen und zwar Baureihen übergreifend. Dieser wird benötigt, um bei einer Verwirbelung der Produktionsreihenfolge innerhalb des „Frozen-Horizons“ (eingefrorene Produktionsreihenfolge 4 Tage vor Montagestart) eine Umsortierung der Teile in der Montagehalle zuzulassen – was sich natürlich im Flächenbedarf niederschlägt. Die Integration des BMW Z4 funktionierte nun ohne erweiterten Flächenbedarf.
Fazit
Die effizient arbeitenden gemeinsamen Realisierungsteams haben sichergestellt, dass alle geplanten Logistikprozesse termingerecht implementiert wurden. Die Serienproduktion des BMW Z4 im Werk Regensburg läuft heute mit reduzierten Vorlaufbeständen sowie einem verringerten kumulierten Rückstand stabil und ohne Störung.
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