Comeback der Multis: Steigende Investments - Neuauflage von Multi-Zertifikaten
Titelstory aus DZB premium 08/2009Außerdem in DZB premium 08/09 (nur für Abonnenten):
Titelgeschichte: Comeback der Multis DZB Marktmonitor: Aktuelle Produktkonditionen- * Markt und Trends: Produktkonditionen stürzen deutlich ab
- * Marktideen: Krones, Dt. Börse, Daimler
- * Zertifikate Quick-Checks:
- 1: BNP Inflation & Öl Anleihe (BN3QBN)
- 2: HVB Zins Express Commerzbank (HV5AT6)
- 3: WGZ Teil Garant 5 (WGZ337)
- * Zeichnungskalender: Rückkehr des Best Express
- * Watchlist: Indien, N11, Vietnam, Öl
- * Hot Spot: Inflation für Fortgeschrittene – Handel mit der Angst
- * Abokupon
Der Risikoappetit der Kunden nimmt langsam wieder zu. Die ersten Emittenten reagieren mit der Neuauflage von Multi-Zertifikaten. Nach dem Desaster im vergangenen Jahr bekommt die spannende Struktur nun ihre zweite Chance
Anleger suchen wieder nach spannenden Investments. Mehr Aktien, mehr Risiko, mehr Rendite – heißt das Motto seit sich die Märkte gefestigt haben und die Gefahr herber Rückschläge gebannt scheint. Vorbei sind die Zeiten finsterer Untergangsprognosen und langsam macht sich wieder Optimismus breit, der in den vergangenen Tagen auch durch die überwiegend positiven Quartalszahlen in den USA genährt wurde. Dem entsprechend steigt jetzt bei Anlegern und Analysten die Stimmung. Der Chefökonom der UniCredit, Andreas Rees, hisste in der vergangenen Woche ebenso die grüne Fahne für das zweite Halbjahr wie Peter Oppenheimer. Der Chefstratege von Goldman Sachs hob seine Gewinnprognosen für die europäischen Unternehmen deutlich an. Anstelle des bisher erwarteten Einbruchs von durchschnittlich 40 Prozent erwartet er nun nur noch einen Ergebnisrückgang von 19 Prozent. Noch besser sieht es für 2010 aus. Da könnten die Unternehmensgewinne nach Einschätzung der Goldmänner um mehr als 30 Prozent steigen (bisherige Prognose: plus 19 Prozent).
Doch nach dem starken Kursanstieg der letzten Wochen ist die Angst der Kunden groß, in Aktien zu investieren und bei kleinen Rückschlägen gleich im Minus zu liegen. Ganz ohne Risikopuffer soll es also doch wieder nicht sein, was Berater vor ein Problem stellt: Bonus- und Discountzertifikate leiden unter der immer weiter sinkenden impliziten Volatilität wodurch die Ertragschancen dieser Produkte seit Wochen kontinuierlich nachgeben. Damit kommen die jetzt wieder neu angebotenen Multis gerade recht. Trotz Sicherheitspuffern von rund 50 Prozent sind hier Renditen von bis zu 24 Prozent pro Jahr möglich. Zum Vergleich: Ein entsprechend abgepufferter Euro-Stoxx-Bonus bringt es bei etwa einjähriger Laufzeit gerade noch auf sieben oder acht Prozent pro Jahr.
Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko, die Formel gilt auch hier. Wie seit dem vergangenen Herbst jedem klar ist (oder sein sollte), bergen die Multis eben ein multiples Risiko, weil statt einer mehrere Bonusschwellen zu beachten sind, sodass sich der Kurs der Zertifikate immer an dem schwächsten Wert des Baskets orientiert.
Zu den spektakulärsten Produkten der neuen Multi-Serie, mit der sich Merrill Lynch kürzlich aus der mehrmonatigen Emissionspause zurückgemeldet hat, gehört der Basket mit europäischen Bankaktien. Darin enthalten sind die beiden Franzosen BNP Paribas und Société Générale, sowie die Deutsche Bank und die Commerzbank. Wenn keine der vier Aktien bis zur Fälligkeit im Juli 2010 die anfangs bei 50 Prozent des Startkurses fixierte Barriere unterschreitet, erfolgt die Rückzahlung zu 135 Euro. Bei aktuellen Brief-Kursen um 111 Euro bleibt also ein Gewinnpotenzial von rund 24 Euro, woraus sich eine Renditechance von 23,3 Prozent pro Jahr ergibt (WKN: ML0GLG). Entscheidend für die Einschätzung der Attraktivität des Angebots ist der Vergleich mit Single- Bonus-Zertifikaten auf den schwächsten Vertreter im Multi-Glied. In diesem Fall ist dies wohl die Commerzbank, deren Barriere bei 2,73 Euro liegt – ein Puffer von rund 47 Prozent auf den aktuellen Kurs. Ein Abgleich mit dem bestehenden Produktsortiment zeigt schnell, dass es ein einfacher Capped Bonus mit vergleichbarem Puffer bei der Commerzbank derzeit ebenfalls auf Zielrenditen um 20 Prozent bringt (zum Beispiel SG08K1; Barriere: 2,75€, Bonuslevel: 6,75€, Kurs: 5,81€). Der Zusatznutzen der zusätzlichen akzeptierten Risiken der drei übrigen Banken ist also vergleichsweise moderat.
Etwas besser fällt der Abgleich bei dem Transport-Basket aus, der es aktuell noch auf eine mögliche Rendite von 12,8 Prozent pro Jahr bringt (WKN: ML0GLL). Die Sicherheitspuffer sind bei allen vier Korbwerten (BMW, Daimler, Lufthansa, MAN) inzwischen auf mehr als 50 Prozent angewachsen und die entsprechenden Einzelzertifikate kommen in der Spitze nur zu Renditen um acht Prozent pro Jahr. Das zusätzlich eingegangene Risiko bringt hier also auch einen angemessenen Renditeaufschlag, der ein Engagement interessant machen kann.
Zu beachten ist allerdings, dass der Transport-Basket weniger homogen ist als das Banken-Paket. Denn Autos und Airlines folgen trotz der thematischen Nähe der Fortbewegung durchaus unterschiedlichen Branchen- und Konjunkturtrends, wodurch bei dem Multi ein zusätzliches Risiko hinzukommt. Wichtig ist dies mit Blick auf das auch in den Kursen implizierte Korrelationsrisiko. Hierbei gilt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Schwellenbruchs zunimmt, je geringer die Korrelation zwischen den einzelnen Korbaktien ausfällt. Umgekehrt werden die Risiken gesenkt, wenn hoch korrelierende Aktien kombiniert werden. Die von Merrill und vielen anderen gewählte Zusammenstellung spezieller Branchenbaskets ist somit durchaus sinnvoll und unterscheidet die Multi-Bonusse maßgeblich von den ganz bewusst „kunterbunt“ zusammengestellten Baskets der wenig rühmlichen Garantiepapiere, die mit Aktienkörben hinterlegt sind.
Eine andere sinnvolle Möglichkeit, um die Risiken so gering wie möglich zu halten, ist der auch hier mögliche Verzicht auf eine durchlaufende Betrachtung der Barriere. Was das wert sein kann, erleben gerade die Käufer des im August, also zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, von der DZ Bank lancierten Multi Bonus Control Chemie. Bei dem bis September 2010 laufenden Paket mit K+S, BASF und Linde kann die Bonuschance nur bei Fälligkeit deaktiviert werden. Damit blieb die Chance intakt, obwohl K+S zwischenzeitig deutlich unter die Sicherungsschwelle bei rund 34 Euro abgestürzt war. Entscheidend ist für die investierten Anleger aber nur der Kurs am 13.09.10, sodass sie bislang mit einem gehörigen Schrecken (und drastisch gesunkenen Kursen im Sekundärmarkt) davon gekommen sind.
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