Liebe Familie Fiege, ich sage das
einfach so, um mich bei den Brüdern,
Kindern und Ehefrauen nicht zu verirren,
liebe Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Firma Fiege, soweit
Sie hier heute sein können!
Ich freue mich sehr, dass ich heute
dieses Unternehmen besuchen kann.
Ich habe schon immer vielfältige
Kontakte zur Firma Fiege gehabt, ob
das die großen Konferenzen im Bereich
Logistik gewesen sind oder ob
das in meinem Wahlkreis der Fall
war, wo Teile der Familie Fiege an der
Ostsee sehr intensiv tätig sind. Ich habe
immer wieder voller Staunen und
auch Interesse von dem gehört, was
Sie in Ihrem Unternehmen machen. ...
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14 · Titel
„Sie sind ein gutes Stück Deutschland!“
Ansprache von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
anlässlich ihres Besuchs bei der Fiege Stiftung & Co. KG
am 20. August 2009 in Greven
Liebe Familie Fiege, ich sage das Unternehmens ein bisschen vertraut mit dem Kauf des ersten Lkw zuge-
einfach so, um mich bei den Brüdern, machen können. Von 1873 bis 2009 schlagen, und dann hat es in den 70er
Kindern und Ehefrauen nicht zu ver- war es ein langer Weg, ein vielfältiger Jahren nach der Erdölkrise noch ein-
irren, liebe Mitarbeiterinnen und Weg. Er spiegelt auch das, was in un- mal einen totalen Wandel gegeben.
Mitarbeiter der Firma Fiege, soweit serem Land geschehen ist. Immer Ich habe eben auf einem kleinen Par-
Sie hier heute sein können! wieder hatten Menschen Ideen. Am cours, wie das so schön von den Söh-
Anfang war es der Kohlehandel. nen genannt wurde, an drei Stellen
Ich freue mich sehr, dass ich heute Dann hat die technische Innovation gesehen, wie moderne Logistik funk-
dieses Unternehmen besuchen kann.
Ich habe schon immer vielfältige
Kontakte zur Firma Fiege gehabt, ob
das die großen Konferenzen im Be-
reich Logistik gewesen sind oder ob
das in meinem Wahlkreis der Fall
war, wo Teile der Familie Fiege an der
Ostsee sehr intensiv tätig sind. Ich ha-
be immer wieder voller Staunen und
auch Interesse von dem gehört, was
Sie in Ihrem Unternehmen machen.
Heute ist es endlich so weit, dass ich
einmal hierher gekommen bin. Ich ha-
be das schon lange versprochen. Auf
meiner Reise durch den deutschen
Mittelstand musste die Firma Fiege un-
bedingt dabei sein. Ich möchte Ihnen
allen und nicht nur denen, die dieses
Unternehmen führen, ein herzliches
Dankeschön sagen, weil Sie ein gutes
Stück Deutschland sind. Sie sind inter-
national bekannt und haben inzwi-
schen viele Beschäftigte außerhalb des
Landes. Aber vor allen Dingen sind Sie
ein großer Arbeitgeber in Deutschland.
Ich habe mich eben in einem
Schnellkurs mit der Geschichte Ihres
Bundeskanzlerin Angela Merkel
freute sich über ihren
Besuch bei der Fiege Gruppe in Greven.
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Titel · 15
Kanzlerins Ritterschlag für zwei Grevener Logistik-Ritter. Quelle: WN 22.08.09
tioniert, wie viele Menschen eine Ar- Deshalb möchte ich auch ein Danke- muss man auch sagen. Wenn Sie
beit bekommen können und mit wie schön an den Betriebsrat sagen, der nicht mehr wollen, werden wir erst
viel unterschiedlichen Gegenständen sich eben kurz vorgestellt hat. Ich einmal merken, was uns alles fehlt.
und Waren Sie das alles durchführen. denke, viele der Erfolge sind nur Also darf es dazu nicht kommen.
möglich, weil hier partnerschaftlich
Die Logistik ist ein Bereich, der zusammengearbeitet wird. Wir sind in diesem Jahr unerwartet
unterschätzt wird. Die Menschen ma- und durch internationale und nicht
chen sich oft wenig Gedanken, wo et- Wenn wir uns anschauen, worin von uns verursachte Ereignisse in eine
was herkommt und wie es wohin die Zukunft unserer Arbeit liegt, Krise geraten, die sich glücklicher-
kommt. Aber das ist heute ein hoch dann sind das immer wieder neue weise nicht überall bemerkbar macht,
spezialisierter Bereich. Für dessen Bereiche. Sicherlich wird von jedem aber die uns schon zu denken gibt. Im
technische Entwicklung hat die Fir- von Ihnen immer wieder erwartet, Grunde ist eine der Lektionen, die wir
ma Fiege immer wieder Maßstäbe ge- dass Sie mit Ihren neuen Ideen, guten aus dieser Krise lernen – und dafür
setzt. Auch das muss man sagen. Die Gedanken und natürlich auch mit der werde ich mich international auch
Wettbewerber fürchten, dass Sie im- Arbeitsleistung Ihren Beitrag für die- ganz gezielt einsetzen – dass wir über-
mer wieder so viele gute neue Ideen se Firma leisten, der die Kunden im- all Regeln brauchen, wie Märkte funk-
haben. Aber das ist genau das, was mer wieder zufriedenstellt. Von der tionieren. Wir brauchen Begrenzun-
wir unter sozialer Marktwirtschaft Kosmetikverpackung bis zum Reifen gen. Die unendliche Gier und das
verstehen: Wettbewerb in geordneten und den Boschzulieferern ist ganz Streben nach Gewinn ohne zu fragen,
Bahnen und soziale Partnerschaft. Deutschland von Fiege abhängig. Das was morgen ist, gehen nicht. Wir ha-
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16 · Titel
ben jetzt erlebt, dass wenige auf der den Kreditvergaben zu tun, wer auch weltweit gelten.“ Daran arbei-
Welt für viele, viele Menschen die Si- wann unter welchen Bedingungen ten wir. Ich werde vor der Bundes-
tuation verschlechtert haben und dass Kredit erhält. Wir haben Basel II tagswahl im September noch einmal
einige dieser wenigen längst über alle international gemeinsam verhandelt. nach Pittsburgh in Amerika fahren,
Berge sind und sich für nichts mehr zu Als Basel II eingeführt wurde, haben weil die Amerikaner den nächsten
verantworten brauchen. Das kann sich die Amerikaner einfach nicht G20-Gipfel veranstalten. Dann müs-
nicht sein. Das darf nicht sein. daran gehalten. Das bringt für uns sen solche Spielregeln wirklich ver-
Schwierigkeiten, und woanders kann einbart werden.
Ich glaube, Sie, die Menschen in man Dinge billiger machen. Das ist
Deutschland, erwarten mit Recht, dass nicht fair. Fiege ist groß geworden. Es gibt
wir als Politiker alles daran setzen, dass Sie als Unternehmen Fiege schon
sich eine solche Krise nicht wiederholt. Deshalb ist es gut, dass wir Europa deutlich länger als 100 Jahre, weil Sie
Das kann ein Land heute nicht mehr haben. Es gibt 80 Millionen Deutsche eben immer wieder an morgen ge-
alleine schaffen. Wenn die Bundesre- im Verhältnis zu sechs Milliarden dacht haben. Sie haben nicht nur ge-
gierung sagt: „Wir wollen das beschlie- Menschen auf der Welt. Wir können schaut, wie Sie heute den maximalen
ßen“, dann ist das schön. Aber dann nicht mit dem erhobenen Zeigefinger Gewinn erzielen können, sondern Sie
hält sich weder England noch Amerika durch die Welt rennen und sagen: haben auch geschaut, wie Sie der
daran. Das heißt, unsere Aufgabe heu- „Nach uns müsst ihr euch richten.“ künftigen Generation die Zukunft er-
te ist es, in der internationalen Ge- Aber wenn wir in Europa mit immer- öffnen können.
meinschaft solche Regeln zusammen hin 500 Millionen Menschen einer
festzulegen und auch darauf zu po- Meinung sind, dann haben wir schon Deshalb sind Familienunterneh-
chen, dass sich jeder daran hält. einmal die Möglichkeit, eine starke men für uns so wichtig. Dass es die
Stimme zu erheben und zu sagen: Familienunternehmen gibt, dass es
Ich nenne einmal das Stichwort „Leute, passt auf! Wir haben nicht Wettbewerb in Deutschland und so
Basel II. Das wird hier nicht allen et- umsonst Regeln für unsere soziale viel Mittelstand gibt, ist im Übrigen
was sagen. Aber das hat etwas mit Marktwirtschaft. Diese müssen jetzt die Leistung von Ludwig Erhard.
Rund 500 Gäste, darunter 400 Mitarbeiter aus der Region, lauschten der Rede der Bundeskanzlerin.
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Titel · 17
Ludwig Erhard hat sich nach dem
Zweiten Weltkrieg unglaublich hart
mit den wenigen großen deutschen
Unternehmen anlegen müssen. Sie
wollten nämlich überhaupt kein
Wettbewerbsrecht. Sie wollten, dass
sie immer größer werden und die
Kleinen immer wieder verdrängen
können.
Ludwig Erhard hat gesagt: „Wenn
wir ein starkes Rückgrat haben wol-
len, brauchen wir mittelständische
kleinere Unternehmen. Sie sind fle-
xibler.
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