Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen, sagt der Volksmund. Wenn die oft Hunderte Tonnen schweren Turbinen der Firma Siemens auf Reisen gehen, könnten sie in der Tat viel erzählen: Schauderhafte Geschichten von gesperrten Brücken, verstopften Straßen, engen Hafenzufahrten und Kreisverkehren, die ihnen das Leben schwer machen. Dabei könnte es viel einfacher sein ‑ Bund, Länder und Kommunen müssten nur noch besser mit den betroffenen Verladern, Spediteuren und Infrastrukturanbietern zusammenarbeiten. Dafür will ein Zusammenschluss aus Interessensvertretungen mit einer gemeinsamen Erklärung sorgen.
■ Münchner Erklärung
Gute Reise, Schwertransport!
Bild: Rhenus-Midgard, Nordenham
Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen, sagt der Volksmund. Wenn die oft Hunderte Tonnen
schweren Turbinen der Firma Siemens auf Reisen gehen, könnten sie in der Tat viel erzählen: Schau-
derhafte Geschichten von gesperrten Brücken, verstopften Straßen, engen Hafenzufahrten und Kreis-
verkehren, die ihnen das Leben schwer machen. Dabei könnte es viel einfacher sein – Bund, Länder
und Kommunen müssten nur noch besser mit den betroffenen Verladern, Spediteuren und Infrastruktu-
ranbietern zusammenarbeiten. Dafür will ein Zusammenschluss aus Interessensvertretungen mit einer
gemeinsamen Erklärung sorgen.
Deutschland ist einer der wichtigsten der Produktionsstätte dorthin gelangen. Das Sperren von Brücken für den
Produktionsstandorte für den Maschi- Schon bei der Straßenzufahrt aber Schwerlastverkehr, vom Gesetzgeber
nen- und Anlagenbau. Zu einem großen fangen die Probleme an. beschönigend als Ablasten bezeichnet,
Teil werden die Anlagen für den Export sorgt dafür, dass Schwertransporte
gefertigt. Das heißt: Große Anlagen- Auf dem Weg von der Produktion zum große Umwege in Kauf nehmen müs-
module, Pressen, Transformatoren oder Hafenumschlag werden Schwertrans- sen.
Baumaschinen müssen von Deutschland porten einige Steine in den Weg gelegt.
aus in alle Welt transportiert werden. Wolfgang M. Draaf, Geschäftsfüh- Andere Hindernisse sind nicht auf feh-
Das geht per Schiff über die Seehäfen rendes Vorstandsmitglied der Bundes- lende Investitionsfreude zurückzuführen,
und – vorgelagert – am besten über die fachgruppe Schwertransporte und sondern auf das fehlende Augenmerk
Binnenhäfen. Der Transport über die Kranarbeiten (BSK), kennt die typischen der öffentlichen Hand auf die Bedürf-
Wasserstraße ist ökologisch sinnvoll, Probleme: „Wir haben einen gewal- nisse von Industrie und Speditionen.
ökonomisch vernünftig und meist auch tigen Investitionsstau in Deutschland. Zum Beispiel der Bau von Brücken, die
noch schneller als über den Landweg. Nahezu wöchentlich wird eine Brücke zu niedrig sind, als dass Schwertrans-
Doch bevor ein Schwertransport vom für den Schwerlastverkehr gesperrt, weil porter sie unterfahren könnten. Oder
Binnenhafen ablegen kann, müssen die sie nicht mehr sicher genug und kein der Bau von Kreisverkehren, die sich in
tonnenschweren, riesigen Güter von Geld vorhanden ist, sie zu sanieren.“ vielen Kommunen zunehmender Beliebt-
Themendienst Mai 2009, Seite 24
Bild: STUTE Verkehrs-GmbH, Bremen
heit erfreuen. „Sicher sieht es hübscher
aus, wenn in der Mitte eines Kreisver-
kehrs eine Statue aufgestellt wird“, gibt
Christian Betchen, Projektmanager beim
ShortSeaShipping Inland Waterway
Promotion Center (SPC), zu. „Aber für
große Schwertransporte wird das zu
einem unüberwindbaren Problem. Sie
können aufgrund ihrer Dimensionen
nicht regulär in den Kreisverkehr einfah-
ren. Das ist nicht so schlimm, solange
sich der Kreisverkehr überfahren lässt.
Ist die Mitte allerdings blockiert, haben
die Fahrer verloren.“
Christian Betchen gehört dem Ausschuss
Binnen-, Fähr- und Seeschifffahrt der
Bundesfachgruppe Schwertransporte Politik. Auch an die Häfen haben die neben unserem eigentlichen Tagesge-
und Kranarbeiten (BSK) an. Dort sind Unterzeichner ganz spezielle Wünsche: schäft einen Beitrag, etwa in Form der
neben dem SPC, das er dort vertritt, So stehen noch längst nicht an allen Ausbildungsempfehlungen oder durch
viele weitere Beteiligte im Bereich der Binnenhäfen ausreichende Kapazitäten Investitionen in fortschrittliche Technik.
Schwertransporte vertreten: Binnen- für die Lagerung und den Umschlag von Doch wir brauchen auch die richtigen
häfen, Speditionen, Reedereien, das Schwerlasten bereit. Rahmenbedingungen von außen,
Bundesministerium für Verkehr, Bau und und für die muss vor allem die Politik
Stadtentwicklung, Vertreter der Industrie Schwer engagiert sorgen.“
wie Siemens Power Generation oder Doch die Beteiligten fordern nicht nur,
die Linde AG und der Verband Deut- sie werden auch selbst aktiv. In ehren- Mit der Münchner Erklärung, die auf
scher Maschinen- und Anlagenbau e.V. amtlichem Engagement entwickelten der transport logistic veröffentlicht
sie etwa ein eigenes Konzept für die wird, formulieren die Mitglieder des
Mit einem gemeinsamen Statement, Weiterbildung von Binnenschiffern: Ausschusses nun ihr gemeinsames
der Münchner Erklärung, wollen die Auch für die Schiffsführer ist ein Schwer- Anliegen auch offiziell. Wolfgang M.
Akteure ihren Forderungen Nachdruck lasttransport eine Herausforderung, auf Draaf hofft, dass die Erklärung auf
und öffentliche Wirkung verleihen: die sie vorbereitet sein müssen. So hat ein deutliches Echo stößt: „Jetzt sind
„Wir brauchen mehr Investitionen in der Ausschuss Empfehlungen zusam- Bund, Länder und Kommunen am Zug.
Straßen und Brücken und mehr Rück- mengetragen, wie die Ausbildung der Schließlich geht es um nicht weniger als
sichtnahme auf unsere Interessen bei Binnenschiffer praxisnah und zukunftso- um unseren Ruf als Exportweltmeister!“
der Planung der Zufahrtswege zu den rientiert verbessert werden kann – zum
Häfen,“ betont Draaf. Heißt im Klartext: Beispiel bei der Beladung oder bei Die Münchner Erklärung kann bei Inte-
Brücken, die für den Schwerlastverkehr der Organisation von internationalen resse ab dem 18. Mai beim BSK und
befahrbar sind, ausreichend breite Schwertransporten. „Die Mitglieder des SPC angefordert werden.
Straßen, keine künstlichen Hindernisse. Fachausschusses wollen selbst dazu
Adressaten dieses Forderungskatalogs beitragen, dass der Schwertransport Kontakt:
sind in erster Linie Länder und Kommu- per Schiff zum Regelfall wird“, erklärt
nen. Die Forderungen der Verbände Heinz Rößler, Inhaber der Spedition betchen@shortseashipping.de
richten sich durchaus nicht nur an die Kübler GmbH. „Wir alle leisten dazu
Themendienst Mai 2009, Seite 25