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Siegfried Jetzke Grundlagen der modernen Logistik Methoden und Lösungen ISBN-10: 3-446-40459-7 ISBN-13: 978-3-446-40459-5 Vorwort Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-40459-5 sowie im Buchhandel Vorwort Ein Buch über Logistik erscheint wie ein weiteres Buch über eine Fußballweltmeisterschaft. Wozu ist dieses notwendig? Ein Auslöser für das Verfassen liegt im Wesen der Logistik als ei- nem umfassenden Ansatz zur Lösung praktischer Probleme und den hiermit verbundenen, unter- schiedlichen möglichen Sicht- und Herangehensweisen, die bisher von den Hauptprotagonisten der Logistik, Maschinenbauingenieuren und Betriebswirten, geprägt wurden. Auf den folgenden Seiten wird Logistik aus Sicht eines Naturwissenschaftlers dargestellt, für den eine Theorie nur dann eine Theorie ist, wenn sie in der Wirklichkeit überprüft werden kann, und für den Algorith- men und Experimente ein wichtiger Bestandteil einer Problemlösung sind. So wie es in weiten Bereichen der produzierenden Industrie gelungen ist, wiederverwendbare Module auf Plattformbasis einzusetzen und den Anteil an Gleichteilen in Produkten zu steigern, muss dieses auch in der Logistik erfolgen, wenn sie ihre Effizienz steigern will. Ein Hindernis ist häufig der Sprachenwirrwarr und die mehr oder minder offen gezeigte Rivalität zwischen Theoretikern und Praktikern: Ein Gespräch zwischen einem Mathematiker, einem Informatiker und einem Lagerleiter endet oftmals in der kollektiven Erkenntnis, nicht gemeinsam arbeiten zu können. Das Streben, selbst einfache Sachverhalte kompliziert und umständlich darzustellen, ist vielerorts zu beobachten. Eine einfache Beschreibung komplexer Sachverhalte gelingt nur selten. In diesem Buch werden praktische Probleme vorgestellt, theoretische Konzepte beschrieben und die Umsetzbarkeit skizziert. Es wird vereinfacht werden, sowohl die Theorie als auch die Praxis betreffend. Es werden weder vollständige theoretische Modelle entwickelt noch einsatzfertige Lösungen. Die Beschreibung soll die Vielfalt an Aufgaben und Lösungsmöglichkeiten zeigen und Lust auf Vertiefung oder Umsetzung machen, die Potenziale eines Miteinander aufzeigen und befähigen, konkrete Probleme lösen zu können. In vielen Besprechungen ist „Wir müssen pragmatisch vorgehen“ ein beliebtes Argument, manchmal noch ergänzt um „Wir müssen das Rad nicht immer neu erfinden.“ Dabei wurde das Rad bereits vor vielen tausend Jahren erfunden und hat wenig gemeinsam mit denen des 21. Jahrhunderts. Es gibt noch immer neue Entwicklungen und Erfindungen. Auch wenn kein neues erfunden werden soll, so ist zumindest nach einem geeigneten zu suchen. Oder soll für einen Lkw und ein Kinderwagen ein und dasselbe Rad verwendet werden? Das Lernen durch Fragen, Zuschauen, Zuhören oder durch Lesen ist nicht immer abwegig und einem learning by doing mindestens ebenbürtig. Überall dort, wo Leistungen vergleichbar sind, wie z. B. beim Sport, in der Musik oder in den Wissenschaften, ist learning by training ein ab- solutes Muss. Dieses Buch soll dazu beitragen, Probleme, Grenzen und Lösungsmöglichkeiten kennenzulernen und deutlich machen, dass Logistiker noch lange nicht arbeitslos sind. Mög- lichkeiten der Kommunikation und Identifikation, leistungsfähige Algorithmen und Rechner, auf denen diese implementiert werden können, bieten Potenziale, die in einem konstruktiven Mit- einander auszuschöpfen sind. Alle Probleme und Lösungen der Logistik sind als Teil lebender Systeme zu sehen: Produkte und Kunden sind weder fiktive noch imaginäre Objekte, die sich auf geträumten Straßen bewegen. Alles ist Teil einer realen Welt, einer Welt, die nicht auf einem 6 Vorwort Reißbrett konstruiert werden kann, sondern so existiert, wie wir sie vorfinden. Vorhersagen und Lösungen lassen sich in der Wirklichkeit oder an Modellen überprüfen und sie müssen überprüft werden, um aufwendige Fehlentwicklungen zu vermeiden. Dieses Überprüfen kann wirklich er- folgen, manchmal vielleicht nur als Gedankenexperiment, aber nicht nur als Gedankenspiel in Präsentationen. Die Analyse bekannter Abläufe, Simulationen an geeigneten Modellen und viel- fältige Testverfahren bieten ausreichend Werkzeuge für ein effizientes Vorgehen: Experimentel- les Vorgehen, wie es seit Generationen in vielen Disziplinen erfolgreich praktiziert wird, und nicht Probieren am lebenden Objekt. Konventionen Namen und Wörter, die nicht der deutschen Konjugation oder Deklination unterliegen, werden so geschrieben werden, wie in der Landessprache üblich und kursiv. Es wird von einer mail und ei- ner mouse gesprochen und Files nicht gedownloadet. Hiermit bleiben Ausdrücke wie zwei Möuse erspart, die beim Versand gehandelt, gehandled oder gar gehandlet werden. Hervorhebungen im Text sind durch geneigte Buchstaben zu erkennen. Alle Begriffe, die im Index erscheinen, sind im Text fett gedruckt. Im Text wird durchgängig die männliche Form verwendet. Ständig sie/er und LeserIn bzw. Leser und Leserin bzw. Leser/in zu verwenden, scheint mir den Inhalt nicht zu verbessern. Ich verspre- che nicht, ein möglicherweise zweites Buch in der weiblichen Form zu schreiben. Danksagungen Das Schreiben eines solchen Buches ist mit etwas Aufwand verbunden, das Zusammentragen aller erforderlicher Informationen mit reichlich. Danken möchte ich all denen, die mir die Gele- genheit gaben, unterschiedliche Aufgabenstellungen und Lösungsansätze sehen und ihnen zuhö- ren zu dürfen. Entschuldigen möchte ich mich bei all denen, die sich in Beispielen wiederfinden, die verkürzt und überspitzt dargestellt sind und die sich falsch verstanden wissen. Meiner Frau danke ich für viele hilfreiche Diskussion und ihre Geduld bei dieser doch sehr unsozialen Tätigkeit. Herrn Dr. Peter Steinacker, Sarah Baron, Christoph Brunken, Olaf Essling, Alexander Kutschan, André Schneider und meinen Kindern Kristine und Malte Jetzke danke ich für die mühselige Arbeit des Lesens eines unfertigen Textes. Auch wenn das Schreiben mit TEX und LTEX eine wahre Freude ist, haben mir hilfreiche Tricks und Hinweise meiner Tochter sehr A viel Zeit und unnötiges Verzweifeln erspart. Wer sollte dieses Buch lesen? Dieses Buch ist sowohl für Studierende als auch für Praktiker gedacht, für Lernende und Lö- sungssuchende. Der Bogen von allgemeinen Anforderungen über Probleme und technische Mög- lichkeiten und Lösungen bis hin zu Anwendungen erlaubt es, alle Facetten in diesem Buch wie- derfinden zu können. Die einzelnen Kapitel sind so gehalten, dass die Lösungen auch ohne die Beschreibung der mathematischen Möglichkeiten verstanden werden können. Um zu verstehen, wie es zu diesen Lösungen kommt, können die grundlegenden Kapitel zu Rate gezogen werden. Wie geht es weiter? Sie werden beim Lesen feststellen, dass nicht alle Probleme der Logistik gelöst, aber einige nützliche Ansätze vorgestellt werden. Wenn Sie Fragen, Anregungen, interessante zu lösende Aufgaben oder Kritik vorbringen möchten, wenden Sie sich bitte an mich. Sie erreichen mich unter S . JETZKE @ GOODSYNC . DE. Salzgitter/Vechelde, im Sommer 2007
files_hanser_de_hanser_docs_20071001_27111516_80_978_3_446_40459_5_inhaltsverzeichnis_pdfSiegfried Jetzke Grundlagen der modernen Logistik Methoden und Lösungen ISBN-10: 3-446-40459-7 ISBN-13: 978-3-446-40459-5 Inhaltsverzeichnis Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-40459-5 sowie im Buchhandel Inhaltsverzeichnis Vorwort ........................................................................ 5 Einleitung ..................................................................... 9 Teil I Logistik 1 Aufgaben der Logistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... 11 1.1 Was ist Logistik? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 1.2 Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 1.3 Lieferketten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 1.4 Logistik – gestern und heute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 1.5 Manufakturen, Ketten, Netzwerke, Bäume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 1.6 Verantwortungsbereiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Teil II Planung, Regelung, Prognose 2 Systeme, Modelle und Prozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .... 33 2.1 Planung und Prognose – eine notwendige Partnerschaft . . . . . . . . . . . . . . 33 2.2 Planen, Steuern, Regeln und Lenken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 2.3 Prozessbeschreibungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 2.4 Repositorium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 3 Informationslogistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 3.1 Daten, Informationen und Wissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 3.2 Kennzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 3.3 Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Teil III Methoden und Technik 4 Vom Umgang mit Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 4.1 Zahlen und Rechnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 4.2 Rechnen mit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 4.3 Suchen und Sortieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 4.4 Zufallszahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 8 Inhaltsverzeichnis 4.5 Graphen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 4.6 Graphen und Landkarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 5 Abstand und Ähnlichkeit von Objekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... 119 5.1 Gleichheit von Objekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 5.2 Abstände von Objekten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 6 Datenanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... 141 6.1 Daten – leblos und uninteressant . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 6.2 Fehler und Unsicherheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 6.3 Analysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 7 Entscheidungsfindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .... 155 7.1 Analysebasiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 7.2 Regelbasiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 7.3 Simulationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 8 Optimierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 8.1 Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 8.2 Klassische Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183 8.3 Naturanaloge Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 9 Technik für die Logistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... 203 9.1 Komponenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 9.2 Rechner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205 9.3 Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 9.4 Kennzeichnung und Identifikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 9.5 Ortung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222 Teil IV Probleme und ihre Lösungen 10 Probleme und ihre Lösungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 10.1 Die 8 r der Logistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 10.2 Problemklassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232 10.3 Anwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238 11 Virtual Spider – eine virtuelle dezentrale Leitzentrale . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 281 11.1 Die 8 r der Logistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281 11.2 Supply net event management – SNEM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 11.3 goodSync und virtual spider . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 Teil V Index
files_hanser_de_hanser_docs_20071001_271115223_42_978_3_446_40459_5_leseprobe_pdfSiegfried Jetzke Grundlagen der modernen Logistik Methoden und Lösungen ISBN-10: 3-446-40459-7 ISBN-13: 978-3-446-40459-5 Leseprobe Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser.de/978-3-446-40459-5 sowie im Buchhandel Die Klage über die Schärfe des Wettbewerbs ist oft nur die Klage über den Mangel an Einfällen. Klaus C. Hiltrop, Vorstand bei Gardeur aus Lebensmittelzeitung, 2.2006 Aufgaben der Logistik 1 1.1 Was ist Logistik? Viele Speditionen wurden in den letzten Jahren zu Logistikern, ohne dabei nicht mehr geändert zu haben als den Schriftzug auf ihren Fahrzeugen: Aus Großkopf – Spedition wurde Großkopf – Spedition und Logistik. Auch wenn das Wort Logistik eine gewaltige Faszination ausübt, ist ihre Bedeutung in vielen Unternehmen weit von dem entfernt, was verlangt wird. Spedition und Logistik bringt zum Aus- druck, dass Logistik en passant erledigt werden kann. Produktverliebtheit, gepaart mit dem Be- dürfnis nach einer ordentlich erstellten Bilanz und dem monatlichen Blick auf Renditezahlen prägen das Bild: Ingenieure, Juristen und Bankangestellte bestimmen das Geschehen, nicht die Kunden. Dieses steht in klarem Widerspruch zu der öffentlich vertretenen Bedeutung der Logis- tik: Logistik als Zauberwaffe zur Beseitigung aller Defizite und Realisierung gewaltiger Poten- ziale. In einer Zeit, in der Produkte kaum unterscheidbar sind, müssen andere Alleinstellungsmerkmale generiert werden. Eine Möglichkeit ist die Erweiterung des Qualitätsbegriffes über die Produkt- sicht hinaus: Ein Auftrag ist erst dann erfolgreich abgeschlossen, wenn der Kunde sagt: „Ich habe genau das erhalten, was ich wollte und wie ich es wollte. Beim nächsten Mal komme ich wieder zu Ihnen.“ Wenn dieser Satz mit minimalem Aufwand bei allen Beteiligten realisiert wer- den konnte, kann von einer perfekten Auftragsbearbeitung gesprochen und die in der Überschrift gestellte Frage einfach beantwortet werden: Definition 1.1 Die 8 r der Logistik Logistik ist das Streben nach den acht richtigen r: Die richtige Ware, in der richtigen Menge, in der richtigen Qualität, zum richtigen Zeitpunkt, zu den richtigen Kosten, am richtigen Ort, mit den richtigen Daten und dem richtigen Wissen. 12 1 Aufgaben der Logistik In der praktischen Umsetzung kann oft beobachtet werden, dass oftmals nicht einfach zu ent- scheiden ist, was richtig oder nicht richtig ist. Ist die richtige Ware genau das, was der Kunde bestellt hat? Selbst das bereitet Probleme. Rufen Sie doch bei einem Bäcker in München und ei- nem in Bielefeld an und bestellen jeweils fünf Krapfen. Sie werden ohne Nachfrage verschiedene Gebäckstücke erhalten. Die Bestimmung richtiger Mengen ist eines der zentralen und schwierigsten Themen der Lo- gistik. Die Tatsache, dass Mengen in Zahlen angegeben werden können, kann Sicherheit und Exaktheit höchsten vortäuschen. Sind Mengen richtig bestimmt, bieten Angaben in Form von Zahlen zumindest die Möglichkeit zu quantitativ greifbaren Aussagen. Die Beantwortung der Frage nach der richtigen Qualität kann kaum frei von subjektiven Kriterien erfolgen. Beim Zeitpunkt hingegen scheint es wieder klarer und einfacher: Pünktlich soll es sein. Was ist pünktlich? Ist zu frühes Eintreffen pünktlich? Bei einem Festbankett anlässlich einer Preisver- leihung soll die Vorspeise um acht Uhr serviert werden. Der Festredner, der im Anschluss an seine Rede den Preis verleihen soll, genießt die öffentliche Aufmerksamkeit und schließt seine Laudatio genau um acht Uhr, um dann mit der Verleihung zu beginnen. Im selben Augenblick öffnen sich pünktlich die Türen des Saals und Kellner beginnen, die Vorspeise zu servieren. Ist dieses der richtige Zeitpunkt? Beim Thema Kosten herrscht ein breiter Konsens: So niedrig wie möglich sollen sie sein. Gleich- zeitig erwarten Anteilseigner möglichst hohe Gewinne. Gewinne, die aus Preisen resultieren, die Kunden in Rechnung gestellt werden und bei diesen als Kosten zu verbuchen sind. Niedrige Kos- ten bei den Kunden bedingen niedrige Preise und somit reduzierte Gewinne bei den Lieferanten. Konnte früher mit einer Angabe der Art Ebbesloh 5 der Empfänger problemlos gefunden werden, so haben Kunden heute Liefer-, Rechnungs- und Postanschriften. Und selbst die Angabe eines Straßennamens mit einer Hausnummer ist oftmals nicht ausreichend, es werden Hallen- oder Torbezeichnungen benötigt. Etwas abstrakter erscheinen die beiden letzten Begriffe. Was bedeuten richtige Daten? Stellen Sie sich ein in graues Papier eingewickeltes Paket ohne jegliche Beschriftung vor, das in der zentralen Postannahme eines großen Unternehmens ankommt. Hier werden die richtigen Daten auf dem Paket benötigt – oder sind es Informationen? Selbst dieses ist nicht immer ausreichend. Hat ein Briefkasten sein Namensschild verloren, kann das Wissen des Zustellers helfen, einen Brief richtig zuzustellen: Ist es entfernt worden, weil der Besitzer ausgezogen ist oder war schlechtes Befestigungsmaterial der Grund? Wie soll der Briefträger reagieren, wenn er unsicher ist? Eine andere Formulierung für die Aufgaben der Logistik (nach Hines u. a. 2000): Weisheit 1.1 Das Ziel der Logistik ist es, Verschwendung zu vermeiden. Als Kandidaten für Aktivitäten, in denen nach Verschwendung gesucht werden muss, kommen • Überproduktion, • unnötiger Bestand, • Wartezeiten, • unnötige Bewegungen, • Transport, • Rüstzeiten und • schlechte Verarbeitung, • Schäden 1.1 Was ist Logistik? 13 in Betracht. Aktivitäten, die aus Sicht eines Kunden den Wert eines Produktes nicht erhöhen, den so genannten non value adding activities. Ob eine Tätigkeit zu den non value adding activities gehört, kann dadurch ermittelt werden, indem geprüft wird, ob der Kunde bereit ist, dieses zu honorieren. Das Beobachten von Kundenreaktionen bei Hinzufügen oder Weglassen gibt eine eindeutige Antwort. Erhöht das Lesen einer Bedienungsanleitung den Wert eines Produktes? Ist dieses dann auch eine wertschöpfende Tätigkeit? Wird wertschöpfend als etwas verstanden, das dem Unternehmen Gewinn bringt? Sind die Bankgeschäfte eines automobilbauenden Unterneh- mens wertschöpfend? Wird Erfolg = Preis − Kosten (1.1a) gesehen, so steigert Effizienz unmittelbar den Erfolg, wohingegen fehlende Effizienz bei Preis = Kosten + Gewinn (1.1b) zu höheren Preisen führt (Shingo 1993). Das Vermeiden von Verschwendung bedeutet Senkung der Kosten und folglich eine Steigerung des Erfolges. In der zweiten, durch Gleichung (1.1b) ausgedrückten europäischen Sichtweise, werden Kosten als Grundlage einer Preiskalkulation gesehen und eine Kostensenkung erfolgt nicht unter dem selben Druck wie in der japanischen Sichtweise, die durch Gleichung (1.1a) dargestellt ist. In diesem Buch soll stets die Vermeidung von Verschwendung im Blickpunkt stehen, was auch folgendermaßen formuliert werden kann: Weisheit 1.2 Das Ziel der Logistik ist die effiziente Realisierung von Kundenaufträgen. Waren Geld Daten Ressourcen Abb. 1.1: Sichtweisen auf ein Unternehmen 14 1 Aufgaben der Logistik 1.2 Integration Um das in der obigen Weisheit formulierte Ziel erfüllen zu können, müssen folgende grundle- genden Fragen beantwortet werden: „Who are the customers. What do they want?“ (ACNielsen 2006). Dieses ist natürlich Aufgabe von Vertrieb und Marketing, die Logistik kann aber Daten liefern, um die Beantwortung zu erleichtern. Aufgabe der Logistik ist zweifelsfrei der zweite Teil der obigen Weisheit, die effiziente Realisierung. Effizienz bedeutet auch, Dinge einfacher zu gestalten. Einfach im Einsteinschen Sinne: „Keep things as simple as possible, but not any simpler.“ Die in Abbildung 1.1 gezeigten Sichtweisen lassen sich nicht auf weniger reduzieren. Logistik soll dazu beitragen, Aufgaben zu lösen, kann Prozesse aber weder aus allen Perspekti- ven betrachten noch bewältigen. Weisheit 1.3 Aufgaben sind ganzheitlich zu betrachten. Eine effiziente Lösung wird nur durch ein Team kommunizierender Experten möglich, nicht durch Einzelgänger, gleich- gültig ob Spezialist oder Generalist. Es ist kontraproduktiv, eine Teilaufgabe bis in das kleinste Detail hervorragend zu bear- Betriebs- beiten und dabei angrenzende Gebiete zu be- Technik wirtschaft einträchtigen. Dass dieses oftmals auch über- haupt nicht notwendig ist, zeigt sich beispiels- Menschen- weise daran, dass die Ziele der Logistik in Informatik Form der 8 r genauso oder ähnlich im Marke- kenntnis ting gefunden werden. So ist es auch das Ziel Mathematik des Marketings, dafür zu sorgen, die richtigen Produkte an den richtigen Stellen zu platzie- ren (ACNielsen 2006).


