Bei den kleinen Diensten tut sich was Studie hat der europäische Branchenpri-
mus Deutsche Post mit ihren Töchtern Eu-
ro Express und DHL im vergangenen Jahr
lediglich den Anteil an DHL weiter aufge-
stockt. Mittlerweile hält sie 75 Prozent an
dem Expressdienstleister und will den Rest
noch in diesem Jahr für gut 400 Millionen
Euro übernehmen. Im laufenden Jahr hat
sich das Unternehmen im Wachstums-
markt Spanien engagiert und seine Beteili-
gung an dem spanischen Paketdienstleis-
ter Guipuzcoana Euro Express von 49 Pro-
zent auf 51 Prozent erhöht. Auch die
Nummer zwei im europäischen Kep-
Markt, die niederländische TNT Post
Group (TPG), ist 2001 nur eine indirekte
Minderheitenbeteiligung in Frankreich
eingegangen. Nicht viel üppiger fällt die
Bilanz der britischen Post Consignia aus,
die sich an drei Unternehmen beteiligt hat.
Einzig die französische La Post hat noch
einmal richtig zugeschlagen und neben
Honold noch fünf Gesellschaften des DPD
in Deutschland übernommen.
Trotz der momentan gebremsten Kauf-
lust der Großen, sieht Horst Manner-Rom-
berg, Geschäftsführender Gesellschafter
der MRU kein Ende des Konzentrations-
prozesses: „Vielmehr hat jetzt der Akquisi-
¯ Ku r i e r- , Ex p r es s- u n d Pa ke t m a r k t tionsprozess den Mittelstand erreicht.“ Ein
typisches Beispiel hierfür ist die norwegi-
Die Kleinen halten
sche Post, die eine ganze Reihe von Stadt-
kurieren in Skandinavien übernommen
hat, um sich ein Netzwerk aufzubauen.
Die akquirierten Firmen hatten jeweils ei-
nen jährlichen Umsatz von fünf bis zehn
ihren Marktanteil Millionen Euro.
Bei der Eroberung des Ostens sind die
großen der Szene wieder dabei
¯ Nach der Akquisitionswelle der Großen nutzen nun die
kleineren Kep-Dienstleister ihre Chancen.
Spätestens wenn es darum geht die EU-
Beitrittskandidaten zu erschließen, wer-
den auch die großen fünf wieder ins Ak-
quisitionsgeschäft einsteigen, um ihre Net-
ze zu vervollständigen.
Außer selbst als Aufkäufer von Wettbe-
Von Serge Voigt von der Manner-Romberg-Unternehmens- werbern aufzutreten, sieht Manner-Rom-
beratung (MRU), die sich auf Kep-Dienste berg noch weitere Chancen für kleine und
V
on wegen, entweder pleite oder spezialisiert hat. mittlere Kep-Unternehmen, wie sie ihren
aufgekauft, die kleineren und Zwar dominieren die großen Fünf der Marktanteil verteidigen können. „Innova-
mittleren Kurier-, Express- und Kep-Dienstleister den Markt noch immer, tive Produkte sind ein Schlüssel zum Er-
Paketdienste (Kep) haben sich tapfer ge- aber ihr Übernahmehunger scheint zu- folg“, sagt Manner-Romberg. Ähnlich wie
gen die Expansionswut der Branchen- mindest vorerst gestillt zu sein. Bis auf den seiner Zeit mit so genannten Austausch-
größen und ihrer Folgen gestemmt. Im Integrator UPS sind sie alle aus den ehe- diensten müssten die kleinen Anbieter
Vergleich zum Jahr 2000 konnten sie in mals staatlichen Postgesellschaften her- ständig mit neuen und mit attraktiven Ni-
Europa sogar etwas an Marktanteilen hin- vorgegangen und haben von Mitte der schenprodukten aufwarten. Denn die
zugewinnen. So ein Ergebnis der jetzt vor- 90er Jahre bis 2000 kurzerhand gut 100 großen Dienstleister beschränken ihre
gelegten dritten Ausgabe der Studie „Die Unternehmen ganz übernommen oder Produktpalette auf eine möglichst geringe
Top 101 des europäischen Kep-Marktes“ sich zumindest daran beteiligt. Laut der Zahl von standardisierten Angeboten.
20 LOGISTIK inside 22/2002
Unternehmen
Jüngstes Beispiel ist die Deutsche Post mit Wie sich der europäische Kep-Markt
ihrer neuen Dachmarkenstrategie (siehe entwickeln könnte, leitet die Studie aus
Seite 22). Eine weitere gute Chance biete Trends in den USA ab. Der amerikanische
das in Deutschland noch lange nicht aus- Markt gilt als der am weitesten entwickel-
geschöpfte Outsourcingpotenzial, so Man- te und ist in seiner Struktur mit dem EU-
ner-Romberg weiter. Wegen der dazu Markt vergleichbar. Dort haben sich zwei
häufig nötigen Investitionen kommen Gruppierungen herausgebildet, die so ge-
dafür nur eigenkapitalstarke Dienstleister nannten Air-Networks und die Ground-
in Frage.
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